Die Atmosphäre ist prächtig, die Stimmung
entspannt. Gut gelaunt rennen die beiden Mannschaften über den
Platz. Es gibt kaum Berührungen, kaum Körperkontakt, kaum
Fouls. Und das allerbeste: Es gibt nicht mal Schiedsrichter. Stell
Dir vor, es ist Deutsche Meisterschaft und keiner pfeift. Traumtanezerische
Utopien? Visionäre Fantasmen? Mitnichten. Beim Ultimate Frisbee
knallharte Realität.
Bei unbedeutenden Fussball-Freizeit-Kick sind schirilose Spiele oft
schon bitter gescheitert, weil schon nach kurzer Zeit ein Knäül
raufender Streithansel entwirrt werden musste. Beim Ultimate Frisbee
funktioniert die Anarchie. "Das ist unsere Philosophie",
sagt Henning von Bandemer, 31 und Vorstand im 1. Münchner Frisbee
Club (MFC). "So wichtig wie der Sieg ist die Fairness, dafür
gibt es nach jedem Turnier den Preis 'Spirit of the Game'". Der
Geist des Spiels als oberste Maxime.
Strittige Entscheidungen werden untereinander geregelt. Mit vielen
Worten. Aus oder nicht aus, Foul oder nicht Foul, man einigt sich
beim Plausch, bei einer entspannten Diskussion. Gut, dass man darüber
redet. Nur nicht zu lang. "Nach einer halben Minute Redezeit"
werde der Wurf einfach wiederholt, erklärt Bandemer, weil übertreiben
müsse man ja auch nicht.
"Mir San Mir" - und das Feiern gehört
dazu
Einem gewissen Jö Silver hat es die Stadt Rüsselsheim
zu verdanken, dass sie an diesem Wochenende die Deutsche Hallenmeisterschaft
im Ultimate Frisbee veranstalten darf. Student Silver führte
1967 den Ultimate an der Columbia High School ein, in den Siebzigern
kam der Sport nach Deutschland. Als Unterabteilung des MFC gründeten
sich dann Münchens ultimativen Frisbeewerfer. Mit dem urigen
Namen "Mir San Mir".
In Anlehnung an die alte Münchner Redensart und einen Text
der Biermösl Blosn: "Da da backmas umpfda Gmiatlichkeit
/ da da umpfda umpfda Kraft und Schneid / da da Schweinsbratn umpfda
fümf Mass Bier / da da umpfda umpfda mir san mir."
Logisch, das Feiern gehört zum Ultimate wie die Fairness, so
freut sich vor allem das traditionelle Oktoberfestturnier jedes
Jahr allergrösster Beliebtheit, auch bei Frisbee-Teams von
weit her. Doch noch viel weiter entfernt ist der Charakter des Ultimatelers
von bierselig-tumbem Stammtischsumpf. auch und gerade bei "Mir
San Mir". Ultimate, ein elitärer Sport für gestandene
Akademiker. "In unserer Mannschaft gibt es nur zwei, die keinen
Doktortitel haben", sagt Bandemer. Das seien er selbst, Bandemer
ist Webmaster bei einer Internet-Firma, und Michäl Larisch,
der ist Briefträger. Ansonsten schwirrt die Scheibe über
die Köpfe von ärzten, Chemikern, Physikern.
überhaupt die Scheibe. 175 Gramm ist sie schwer,
und wer es schaffen will, die Disc zum gewünschten Ziel zu schmeissen,
braucht Zeit. Viel Zeit für die fliegende Untertasse, für
die Ufo-Jagd. "Tausend Versuche"' schätzt Bandemer,
"dann hat man die richtige Technik heraus". Während
der Laie vor Freude rotiert, wenn die Scheibe einmal fünf Meter
in die richtige Richtung eiert, gibt es bei den Frisbee-Freaks nur
die Frage Rückhand, Vorhand oder Overhead. "80 Meter weit
musst Du mit der Rückhand schon werfen können"' sagt
Bandemer.
In Rüsselsheim braucht's das gar nicht, in der Halle ist das
Spielfeld mit 28 Metern und einer Endzone von je sechs Metern auf
beiden Seiten bedeutend kürzer. In zwei Kategorien werden die
Hallen-Champs ermittelt, bei den Damen, den Herren.
Der Höhepunkt steigt aber an Ostern. Beim grossen Paganello-Beach-Ultimate-Frisbee
am Strand von Rimini. Dann werden sie wieder werfen, rennen und reden.
Auch nach dem Spiel. "Da bildet man einen Kreis und lobt den
Gegner." Mit aufmunternden Worten für den Verlierer. Vor
allem vielen Worten. Friede, Freude, Frisbee. |
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Die Regeln beim Ultimate
Frisbee
Ultimate Frisbee gilt als Königsdisziplin unter den Sportarten,
die mit der Scheibe ausgetragen werden. Im Freien spielen zwei
Teams mit je sieben Spielern (Halle: je fünf Spieler).
Das Feld ist 110m (Halle: 28m) lang, and beiden Enden gibt es
wie beim Football eine Endzone. Einen Punkt erzielt, wer in
des Gegners Endzone die Scheibe fängt. Wer die Scheibe
in der Hand hält, darf nicht mehr weiterlaufen. Die Scheibe
darf maximal zehn (Halle: acht) Sekunden gehalten werden. Berührt
man die Scheibe und lässt sie fallen, gibt es einen "Turnover",
dann besitzt der Gegner Angriffsrecht. Das Spiel gewinnt, wer
zürst 15 Punkte erzielt hat.
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Frisbee-Scheibe: Ein Kuchenblech
Ursprünglich war die Frisbee-Scheibe ein Kuchenblech. 1871
eröffnete William Russel Frisbee eine Bäckerei in
Bridgeport (USA). Der Betrieb wurde zur Grossfirma, der Frisbee-Kuchen
berühmt. Ende der Vierziger Jahre wurde es in New York
populär, aus dem Müll die weggeworfenen Tortenböden
aus Metall zu klauben und sie sich zuzuwerfen. Das sah der Yale-Student
Walter Morrison, der sich dann die erste Scheibe aus Plastik
schnitzte.
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