Willkommen bei mirsanmir.org
     
Home

Das Team

Trainingszeiten

Turniererfolge

Adressen

  Kontakt Impressum English  

Presse

Bildarchiv

Links

Gästebuch

Münchner Frisbee Club

vergroessern
  Bild des Monats [click mich]

 
Europameisterschaft der Frisbeespieler in Eching
 

Klaus Bachhuber, SZ, 7.6.1994


Erst starker Wind verleiht den Scheiben Flügel

450 Frisbeespieler aus elf Ländern kämpfen in Eching um die Ultimate-Europameisterschaft für Vereinsmannschaften.

Eching - das bisschen Wind? Gerade die richtige Herausforderung für einen Ultimate-Spieler waren die Böen, die am Wochenende über die Felder des TSV Eching pfiffen. Regen auch noch dazu - hier zeigt sich, wer mit der Frisbee-Scheibe umgehen kann. 450 Aktive aus elf Ländern trugen seit Donnerstag in eching ihre Ultimate-Europameisterschaft für Vereinsmannschaften aus.
Die Münchner Mannschaft mit dem bodenständigen Namen "Mir San Mir" hatte den Zuschlag für die Ausrichtung des alle zwei Jahre abgehaltenen Turniers bekommen - und damit ziemliche Probleme. Denn in ganz München war keine Anlage aufzutreiben, die ähnlich geeignet für das Ereignis war wie sie nun - dank eines Mannschaftsmitglieds aus Eching - in der Grossgemeinde aufgetan werden konnte. "Die Plätzte, das Sportheim, die Campinggelegenheit - hier ist's völlig optimal", schwärmte Turnierdirektor Jörg Pfündl.
Wichtiges Souvenir für die meisten Teilnehmer war die extra zur EM geprägte Frisbee-Scheibe mit dem offiziellen Turnieremblem. Die Turnierscheiben unterscheiden sich in den Augen des Fachmanns ganz wesentlich von den Scheiben für den Hausgebrauch. "Was hier oft als Frisbee-Scheibe verscherbelt wird, spottet jeder Beschreibung", weiss Pfündl. Wettkampftaugliche Scheiben müssten sich die Ultimate-Enthusiasten aus den USA mitbringen lassen, die seien elastisch, hätten optimierte Form und damit stabile Flugeigenschaften.
Die überwiegende Mehrzahl der EM-Aktiven campte in Eching vier Tage lang neben den Spielplätzen - die Ultimate-Szene lebt auch neben dem sportlichen Wettstreit. "Man kann nicht sagen, dass sich hier alle 450 kennen", beschreibt Pfündl, "aber zumindest vom Sehen kennen sich die allermeisten". Abends werden gemeinsame Parties gefeiert, die Broschüre enthält einen Münchner Disco-Führer: Ultimate ist ein junger Sport. "Da sind schon ältere dabei", scherzt Pfündl, "aber die sehen alle so jung aus, weil Ultimate jung hält."
Die Sportart zumindest ist jung. Vor weniger als 30 Jahren wurde Ultimate, der schnelle Mannschaftssport mit der Frisbee-Scheibe, in den USA entwickelt und mit typisch amerikanischer Bescheidenheit gleich auf den ultimativen Namen getauft. In Deutschland messen sich derzeit etwa 50 Mannschaften. Die besten der nationalen Meisterschaft haben sich für die EM qualifiziert. Und zumindest die Gastgeber sorgten dann auch für sportliche Furore. Sowohl bei den Männern (24 Teams) als auch in der Fraünkonkurrenz (neun Teilnehmer) placierten sich "Mir San Mir" auf dem Stockerl.
Nach den beiden Vorrundentagen bei Sonnenschein und Windstille gingen die weiterführenden Runden bei Witterungsbedingungen über die Bühne, die hohe Anforderungen an die Teilnehmer stellten. Die Münchner Männer kämpften sich bis in Halbfinale durch. Dort aber waren die "Disciples" aus Göteborg Endstation. Mit 17:20 bei schweren Regenschaürn scheiterten die Gastgeber nur knapp. Das Endspiel wurde wie erwartet zur rein schwedischen Angelegenheit. Die europäische Ultimate-Hochburg holte mit "KFUM" aus örebro und Göteborg Gold und Silber. Im "kleinen Finale" rafften sich die "Mir San Mir" noch mal zu grosser Leistung auf und bezwangen die "Red Lights" aus Amsterdam mit 19:15. Bei den Fraün blieb ebenfalls Platz drei für die Münchnerinnen. Eine Klasse für sich war hier Amsterdams "Red Light"-Vertretung. Ein 15:5-Endspielsieg über die Schwedinnen aus Stenlungsund dokumentierte die überlegenheit der Niderländerinnen.
Fünd Runden wurden in Eching täglich auf sechs Plätzen parallel absolviert. Trozt zahlreicher Blessuren - Schulterverletzungen oder Prellungen durch die "Hechtrollen" beim Scheibenfang sind typische Ultimate-Verletzungen - gab es keine grösseren Pannen. Und auch der Geist der Spiele, das extreme Fairnessgebot beim Ultimate, lebte. "Die längste Unstimmigkeit über eine Situation", berichtet Pfündl, "hat eine Minute gedaürt".

  Vorgestellt: Carsten Steger, Dritter bei der Ultimate-EM

Am Echinger See gehörte Carsten Steger immer schon zu den Frisbee-Enthusiasten. Von Ultimate sah er zum ersten Mal etwas im Fernsehen, vor sechs, sieben Jahren - und sogar das Turnier weiss er noch. Das war die Weltmeisterschaft in Oslo. "Wow, das ist interessant", war der erste Gedanke und der wiederholte sich, als ihm wenige Tage danach an der TU München ein Plakat auffiel, das Ultimate-Kurse für Studenten anbot. "Damals hatte ich gerade ziemlich viele Vorlesungen und keine Zeit dafür - aber dann war mir das wurscht und ich bin mal hingegangen."

So wird man Ultimate-Spieler; mittlerweile hat der Echinger zwei Deutsche Meistertitel im Regal, vertrat im Vorjahr die bayerischen Farben bei der WM in den USA und gehörte nun zu den EM-Ausrichtern. Seine Vermittlung beim TSV brachte die Titelkämpfe nach Eching. Seine Truppe von "Mir San Mir" München ist auch nopch amtierender Deutscher Hallenmeister und das im zweiten Jahr in Folge. Bei der Hallen-Europameisterschaft wurde Stegers Team Fünfter, aber für ihn ist "Ultimate in der Halle nicht si das Richtige". Im Freien steht die Deutsche Vizemeisterschaft 1993 und der 25. Platz der Weltmeisterschaft zu Buche. Mit 48 Teams massen sich die Münchner da in Madison, Wisconsin; eine Riesensache für Carsten Steger, "eine kleine Schwäche war nur, dass die dort kein Bier verkauft haben".

Der Name Ultimate trifft's auch für den 26jährigen Informatik-Doktoranten: den Sport schlechthin hat er gefunden. "Mit der Scheibe kann man wahnsinnig interessante Würfe machen", schwärmt er, "das schafft man mit dem Ball nie." Für den Anfänger hat es freilich einen Haken, erinnert er sich: "Nach den ersten paar Kursstunden haben die mich gleich auf ein Turnier mitgeschleift. Ich war danach so tot, das ist unglaublich."

 

"Spirit of the Game" -
Schiedsrichter ist überflüssig.

Eching - Zusehern, die sich unbedarft die Ultimate-EM auf den Fussballplätzen des TSV Eching zu Gemüte führten, fehlte vor allem eines: der Schiedsrichter. Da ging's um nichts Geringeres als um europäische Titelehren, und kein unparteiischer Regelwart wachte über die Konformität mit den Vorschriften. Im Regelwer des Ultimate-Sports ist als ausdrückliche Vorgabe die Einhaltung des "Spirit of the Game" gefordert. "Ultimate hat siet seiner Entstehung auf Sportsgeist vertraut, wodurch die Verantwortung für Fair Play dem Spieler selbst gegeben wird", heisst es im Regelheft: "Hoher kämpferischer Einsatz wird zwar gefordert, dieser darf aber niemals auf Kosten der Verpflichtung der Spieler zum gegenseitigen Respekt, des Festhaltens an den Spielregeln oder der Freude am Spiel gehen."

Entwickelt wurde das Ultimate an US-amerikanischen Universitäten - unverkennbar, denn Grundzüge erinnern an die beiden uramerikanischen Sportarten Football und Basketball. Zwei Teams mit je sieben Spielern stehen sich auf einem Feld von der Grösse eines längs halbierten Fussballplatzes (65 auf 35 Meter) gegenüber. Beide Teams haben je eine 22 Meter lange Endzone am Längsende des Feldes zu verteidigen. Erhält ein gegnerischer Spieler in dieser Zone die Frisbee-Scheibe, macht seine Mannschaft einen Punkt - ähnlich dem Touchdown beim Football.

Den entscheidenden Kick bekommt das Ganze freilich erst dadurch, dass mit der Scheibe nicht gelaufen werden darf. Ein Spieler im Scheibenbesitz darf nur Ausfallschritte um ein Standbein unternehmen. Der Spieler darf die Scheibe höchstens zehn Sekunden halten - angezählt wird er von seinem direkten Gegenspieler. Eine Körperberührung zählt als Foul. Die Scheibe kann also nur erworben werden, wenn sie im Flug gefangen wird, wenn ein gegnerischer Spieler sie länger als zehn Sekunden hält oder wenn sie aus gegnerischen Reihe zu Boden fällt.

Scheibensicherheit ist somit das entscheidende Kriterium für einen guten Spieler. Aber auch die Spieltaktik legt den Erfolg fest. Abgesprochene Spielzüge können wie auf dem Reisbrett umgesetzt werden; ein Spieler auf EM-Niveau muss die Scheibe auf eine 15-Meter-Distanz auf 30 Zentimeter genau werfen können. Entschieden ist das Match, wenn eine Männer-Mannschaft 21 oder 17 Punkte bei den Fraün gesammelt hat. Wird zuvor aber ein Zeitlimit von zwei beziehungsweise eindreiviertel Stunden überschritten, wird das Spiel beendet und der aktuelle Stand gewertet.

nach oben