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Mit Sportsgeist in die Pfütze hechten
 

Holger Gertz, SZ, 07.06.1994


Bei Sturm und Dauerregen ermitteln die Ultimate-Frisbee-Spieler ihre Europameister

Der Sturm bläst Papierfetzen an Tannenreihen vorbei und läßt ein Sanitätszelt durch die Luft wirbeln, Regentropfen prasseln auf den Rasen, sammeln sich in Pfützen, Frauen laufen, rutschen, glitschen über das Feld, die Trikots unnummeriert, verwaschen. Eine Frisbee-Scheibe fliegt von Hand zu Hand, wird gepackt von einer Böe, eine Frau hechtet und streckt sich und kriegt sie gerade noch zu fassen, ehe sie mitsamt der Scheibe in die Pfütze fällt. Aufstehen, Dreck aus dem Gesicht wischen, die Klamotten sind nass, die Haare kleben, aber egal: Schon ist die Scheibe wieder auf dem Flug durch Regen und Wind.

Später wird die junge Frau in einen warmen Trainingsanzug schlüpfen und erzählen, daß sie Lisa heisst, mit ihrer Mannschaft aus Schweden angereist ist, aus Stenungsund, und daß ihr das beschissene Wetter nichts ausmacht. Sie liebe diesen Sport, dieses Ultimate-Frisbee, da lasse sie sich von dem bisschen Regen nicht verrückt machen, "und bei uns ist das Wetter auch nicht immer so toll." So sind alle drauf in der Ultimate-Frisbee-Szene, Jan von den Red Lights Amsterdam und Frantisek von den Prague Devils, locker, nicht verbissen. Obwohl ihr Sport ganz schön fordert, gerade haben sie in Eching die besten Mannschaften aus Europa ermittelt, vier Tage lang, und am Abend hatten alle Muskelkater. Aus sieben Spielern besteht ein Team, körperlos wie Basketball ist das Spiel, vom Football übernommen haben sie das Prinzip des Raumgewinns mit dem Ziel, eine Endzone zu erreichen. Punkte gibt es, wenn in der gegnerischen Endzone ein Spieler die Frisbeescheibe von einem Kollegen zugespielt bekommt. Man darf mit der Scheibe nicht laufen, 10 Sekunden bleiben zum Abspiel, einen Schiedsrichter gibt es nicht.

Hinter jedem Sport verbirgt sich eine Philosophie, hinter seinem, sagt der Münchner Jörg Pfündl, stehe "das Fair Play, die Spieler achten selber auf die Regeln, da brauchen wir keinen Aufpasser." Spirit of the Game nennen das die Scheibenwerfer, und keinen gebe es, sagt Pfündl, der sich dem nicht verpflichtet fühle. Am Wochenende gewann bei den Männern Örebro vor Göteborg, bei den Frauen Amsterdam vor Stenungsund; Dritter wurden jeweils das Münchner Team, Mir San Mir mit Kampfnamen. Streit gab es nicht. Auch kein Preisgeld, das sei dem Sportsgeist abträglich, glaubt Pfündl; "kommerziell wie Beachvolleyball" wolle man nicht werden. Zumindest nicht in Europa. In den USA werfen sie die Scheibe bei großen Turnieren nur noch gegen Bares, und ein Beobachter sitzt am Rand, weil die Spieler sich allein nicht einig werden. Wo es ums Geld geht, hat der Sportsgeist nichts mehr zu suchen.

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